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Robben Island
Insel der Vergebung, Teil 1

 Das lange Haar der jungen Frau flattert wie eine Fahne im Wind. Ihre Arme sind waagerecht ausgestreckt wie die Flügel einer Möwe. Ihr Gefährte, der sich gerade zu ihr gesellt, umarmt mit festem Griff ihre schlanke Taille. Verträumt wirft das verliebte Pärchen an der Reling einen Blick zurück; auf eine der schönsten Städte der Welt und ihr meistfotografiertes Motiv, Kapstadts Hafen und der Tafelberg. Der Himmel ist strahlend blau, das Meer riecht salzig und frisch, Fischkutter werfen ihre Netze aus, der Schiffmotor blubbert gleichmäßig. Die Atmosphäre an Bord ist friedlich und relaxt. Verschiedene Nationalitäten halten sich im Aufenthaltsraum der Fähre auf; wohlbeleibte Amerikaner in Shorts, Japaner mit mehreren Kameras vor dem Bauch, Jugendliche mit Baseballkappen. Ein junges Mädchen mit Rasterlocken, die scheu lächelt, eine farbige Frau mit Turban blättert geschäftstüchtig in ihrem Timer. Einige lesen Zeitung, aber die meisten der circa 300 Fahrgäste schauen interessiert auf den übergroßen TV-Bildschirm, der in düsteren Farben ein Hochsicherheitsgefängnis zeigt. "History of Mandela" heißt das Video und wir sind auf dem Weg zu der ehemaligen Gefängnisinsel Robben Island, circa vierzig Fährminuten von der Waterfront entfernt. Südafrikas historische Insel vor Cape Town, die einzige in der großzügigen Tafelbucht und zu Kapstadts Vororten zählend, ist heute das wichtigste Museum des Landes. Kein anderer Ort im neuen Südafrika ist so sehr mit der Geschichte des Landes verbunden wie die 574 Hektar große Insel in der Table Bay. Nicht weniger unbekannt als das Gefängnis von Alcatraz ist das Hochsicherheits- gefängnis, in dem die Prominenz des ANC, des African National Congress und des PAC, des Pan Africanist Congress, jahrzehntelang gefangengehalten wurde. Unser Boot trägt den Namen Autshumato, von den Holländern auch Harry der Strandloper genannt. Der Khoikhoi-Führer, dem die Flucht von der Insel gelang, war der erste politische Gefangene auf Robben Island. Als 1488 der Portugiese Bartholomeu Diaz das Kap erkundigte, fanden einige Expeditionen auf die spätere Gefängnisinsel statt. Weitere 509 Jahre vergingen, bis im neuen, demokratischen Südafrika Touristen aus aller Welt das Sinnbild der südafrikanischen Apartheid besuchten. Vor drei Jahren erst eröffnet verbucht das Mahnmal einer menschen-verachtenden Rassenpolitik bereits mehr als 500.000 Schaulustige.

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